Am 29. Juni 2026 findet an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin von Prof. Dr. Selin Arikoglu initierter kreativer Fachtag statt, der Angehörigenperspektiven in den Mittelpunkt rückt – insbesondere die Perspektiven von Kindern inhaftierter Eltern.
Kinder inhaftierter Eltern sind im öffentlichen Diskurs bislang deutlich weniger sichtbar als das straffällige Verhalten von Menschen. Dabei sind auch sie von einer Inhaftierung unmittelbar betroffen. Sie erleben häufig Unsicherheiten, Ängste, Fragen und Belastungen, über die noch immer zu wenig gesprochen wird.
Der Fachtag widmet sich deshalb der Frage, wie die Erfahrungen dieser Kinder und ihrer Familien stärker wahrgenommen und fachlich eingeordnet werden können. Im Zentrum stehen dabei unter anderem folgende Fragen:
- Was erleben Kinder während der Inhaftierung eines Elternteils?
- Was brauchen sie?
- Und wie kann Unterstützung gelingen?
Im Rahmen des Fachtags werden unterschiedliche fachliche und persönliche Perspektiven zusammengeführt:
- Brigitte Zypries, ehemalige Bundesjustizministerin, wird die Veranstaltung mit einem Grußwort eröffnen und damit ein wichtiges Zeichen für mehr Sichtbarkeit dieses Themas setzen.
- Katrin Schäfer, Sozialarbeiterin im Vollzug und engagiert im Verein Mitgefangen, wird aus ihrer Praxis berichten und aufzeigen, welche Unterstützungsmöglichkeiten es für Eltern und Kinder während der Inhaftierung gibt und wo zugleich besondere Herausforderungen liegen.
- Hilde Kugler wird ihre langjährigen sowie bundesweiten Erfahrungen zu diesem Themenfeld einbringen und zentrale Impulse für die fachliche Auseinandersetzung geben.
Darüber hinaus werden Ergebnisse einer Studie zu den Erlebnissen von Kindern inhaftierter Eltern vom Prof. Dr. Arikoglu vorgestellt, um ihre Perspektiven stärker sichtbar zu machen.
Ergänzt wird das Programm durch die persönliche Sicht eines betroffenen Vaters von drei Kindern und ehemals Inhaftierten, der seine Erfahrungen schildern und damit eine wichtige Betroffenenperspektive einbringen wird.
Mit dem Buch „Das Leben nach der Straftat eines Kindes – Im Schatten der Schuld“ wird zudem eine weitere Perspektive aufgenommen, die die Erfahrungen betroffener Familien vertieft und die fachliche Auseinandersetzung um eine zentrale Dimension erweitert. Die Autorin Claudia Terporten begleitet den Nachmittag mit kurzen Lesungen und eröffnet damit einen eindrücklichen und sensiblen Zugang zu den Lebensrealitäten betroffener Familien.
Ein besonderer Dank gilt außerdem Saskia Neu vom Hamburger Perspektivwechsel Verlag für ihre engagierte und wertschätzende Unterstützung sowie für die Bereitstellung des Buches.
In einer abschließenden Podiumsdiskussion besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen, Erfahrungen auszutauschen und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Anmeldung: Bitte melden Sie sich per E-Mail bei Kaan Küçükdevlet unter Kaan.kuecuekdevlet@stud.khsb-berlin.de an!